Es war einmal ein älterer Herr....( hört sich doch schon mal gut an )... also, dieser
ältere Herr wohnte in einem recht großen Haus am Rande der Stadt.Es ging ihm schon etwas länger
eigentlich gar nicht so gut. Eine Woche vor seiner Pensionierung ...so
vor etwa zwei Jahren.. da starb seine Frau,die er mehr denn je vermißte –
fast 50 Jahre waren sie zusammen und nie länger als ein paar Tage
getrennt.Dann war da auch noch dieses kribbeln im kopf,dieses Schwindelgefühl und der Arm tat ihm
auch weh – kommt wohl vom Holzhacken –egal dachte er .Er wollte sich nun doch lieber auf seinen morgigen
Geburtstag freuen.Morgen kommen die kinder von weit her zu Besuch und da mußte er ja noch einiges
vorbereiten.Er war froh,dass er heute nicht mehr aus dem Haus mußte – es war stürmisch,es regnete und
kalt war es auch.Ihm fiel aber auf einmal auf,dass es im Haus auch immer kälter wurde – der Gang in den Keller
bestätigte seine Befürchtung – die alte Heizungsanlage hatte ihren Geist aufgegeben.Ach,dann würde er eben
den Kamin anschmeißen.Nun mußte er doch noch mal nach draußen um die mit Plane abgedeckten
Holzscheiten hereinzuholen.Aber oh Schreck, die Plane war vom Sturm weggeweht und das Holz nass.
Genervt ging er zurück ins Haus.Kaum hatte er die Haustür abgeschlossen,da war plötzlich alles dunkel im
Haus und auch die Strassenlaternen leuchteten nicht mehr.Er fing an mit sich selber zu reden „ na toll, es ist
kalt im Haus und ich kann nicht mal den Kamin anschmeißen.Der Strom ist ausgefallen – wer weiß wie lange
Und morgen mittag kommen die Kinder mit meinen Enkeln.Vorsichtig tastete er sich ins Wohnzimmer – dort
In einer kleinen Komode in einer der Schubladen waren Streichhölzer und eine Kerze.Die brennende
Kerze stellte er auf den Wohnzimmertisch und ließ sich auf dem Sofa nieder.Licht hatte er nun,aber ihm war
kalt.Er schaute sich im Zimmer um und sah den Sessel,auf dem seine Frau oft gesessen hatte.Meistens las sie
ein Buch und hatte genau diese ziemlich dicke Kerze brennen..Aber noch
etwas bemerkte er,diese karierte Wolldecke ,die sie immer über ihre
Beine gelegt hatte.Dreißig Mal hatter er sich schon vorgenommen,diese
Decke zu entsorgen,weil er dieses Muster nicht mehr sehen konnte.Nun benutzte er genau diese Decke zum
ersten Mal selber.Also legte er sich aufs Sofa und deckte sich damit zu.Nun lag er da – ausser vielleicht gleich
ins Bett zu gehen oder ein wenig nachzudenken,konnte er ja nichts anderes machen.Es war still im Raum,man
hörte nur das leise ticken der Uhr an der Wand.Unter der Wolldecke wurde ihm auch langsam warm.Wieder
war es einer dieser einsamen Momente die ihn eigentlich immer traurig machten – nur diesesmal nicht – zwar
waren seine körperlichen Beschwerden immer noch da,er versuchte aber sie
zu ingnorieren. Ach,noch bin ich nicht müde,werde lieber noch ein wenig
meinen Gedanken folgen und genoss es im fahlen Licht der Kerze
unter der warmen Decke zu liegen.Wenn seine Kinder jetzt hier wären,dann würden sie ihn wohl wieder so
gewisse Fragen stellen – so in etwa wie – hast du denn gar nicht vor noch mal eine Partnerin zu suchen – und
ich würde wieder antworten – nein,hab ich nicht vor.Einer seiner Kinder
fragte ihn sogar,warum er auf der Beerdigung nicht geweint hätte.Darauf
sagte er –weil sie mir heute sehr nahe ist Genau das selbe Gefühl
hat er heute abend auch.Ja, das stärkste auf der welt verband uns – Liebe.Die Achtung vor dem anderen und zu
wissen wann er etwas ernst meinte – auch wenn er es im Scherz sagte.All das begleitete uns in all den Jahren.So
viele Dinge hatte er nicht an sich herangelassen,einfache Dinge wie diese Wolldecke,wie diese Kerze und noch
andere Dinge aus allen Lebensbereichen.Sie sind zwar altmodisch und abgedroschen aber haben immer noch die
gleiche Bedeutung ,auch wenn man es nicht mehr sehen oder hören
kann.Seine Kinder fanden ihn am anderen Tag tot auf dem Sofa- zugedeckt
mit dieser karierten Wolldecke – die Kerze brannte noch.