Die philosophische Bedeutung eines Lebens ist wertvoll,solange sie lebt.
Montrouge...ein Vorort von Paris....hier in einem großen Mietshaus lebte schon seit 25 Jahren der
fünfzigjährige Jacques und genauso lange verlief sein Leben immer gleich.Um Sechs Uhr stand
er immer auf...um Sieben Uhr ging er aus dem Haus zur Arbeit....genau fünfzehn Minuten brauchte er
um seine Arbeitsstelle zu Fuß zu erreichen.Seine berufliche Aufgabe bestand darin Kinderspielzeug
zusammenzusetzen.Um siebzehn Uhr war für ihn Feierabend....bevor er wieder nach Hause ging,
besorgte er sich noch ein paar Dinge des täglichen Lebens.Nachdem er geduscht und gegessen hatte,
war wie immer ein kleiner Rundgang durch einen nahe gelegenen Wald angesagt....in der Hoffnung
Niemanden zu begegnen...ausser natürlich seine Nachbarn vorm Haus,die er nur kurz mit einem
Nicken grüßte Sie redeten schon über ihn,ob er vielleicht ein Autist wäre.Seinen Feierabend verbrachte er auch immer gleich...einen Fernseher hätte man in seiner Wohnung vergeblich gesucht.....
dafür stand ein kleiner Schreibtisch im Wohnzimmer...hier saß Jacques jeden Tag bis manchmal
spät in die Nacht...dann ärgerte er sich ,dass er schon wieder schlafen gehen mußte.Seit über
zwanzig Jahren schrieb er kleine Geschichten für Kinder und seine Tagebücher.Alles was er aufschrieb
bekam bisher, außer seiner Mutter, Niemand zu Gesicht.Er mußte alles aufschreiben...denn nur so
konnte er sich mitteilen....Jacques ist seit seiner Geburt stumm....er hatte auch noch nie eine
Partnerin.Vor etwa siebzehn Jahren gab es in seinem Leben eine Brieffreundschaft zu einem Mädchen,
wundervolle Briefe schrieb er an ihr,aber als dann ein Treffen stattfand und sie mitbekam,dass er nicht
reden konnte,war es wieder vorbei.Freunde gab es auch nicht,auch keine Verwanten, nur zwei
Arbeitskollegen....die waren aber auch noch nie bei ihm zu hause.Seine Mutter hatte Demenz bekommen...einmal die Woche besuchte er sie.Eines Tages schlug das Schicksal erbarmungslos zu,er bekam
einen Schlaganfall und mußte ins Krankenhaus.....jetzt konnte er weder reden noch schreiben, ja,es hatte
ihn sehr hart getroffen....aber er war auch ein sehr hoffnungsvoller Mensch.Irgendwann würde er bestimmt
wieder durch den Wald gehen können,um sich Anregungen für neue Geschichten zu holen....dachte er mit
Sicherheit.Es sollte leider nicht mehr dazu kommen....einen zweiten Schlaganfall überstand er nicht.Er blieb
über den Tot hinaus Anonym.Ein Rasen auf einem Friedhof wurde zur letzten Ruhestätte für Jacques.Die
Behörde beauftragte eine Firma mit der Entrümpelung seiner kleinen Wohnung.Wärend der Räumung
entdeckten die Mitarbeiter auch Jacques Geschichten...es waren Berge von kleinen Heftchen....ein Arbeiter
laß in einem Heft...es war ein Märchen von einem Kind , dass sich wünschte eine schöne Pflanze zu sein,
die man bewundert und immer wieder neu blüht.
Recht nett,meinte der Mitarbeiter,dann stopfte er alle Hefte in ein paar Müllsäcke.Auf dem Schreibtisch lag
noch ein Heft mit der Aufschrift „ Mein Tagebuch“das Anfangsdatum war vor dreiundzwanzig Jahren....
es war aber nur eine Seite beschrieben....der Inhalt war sein Tagesablauf mit dem Zusatz,dass er auch
in seinen Urlauben Geschichten schreiben würde....die auch sein innerstes wiederspiegeln.Ohne
jegliche Regung machte der Mitarbeiter seinen Job und packte auch dieses Heft in einen der blauen
Müllsäcke.
Alle Gedanken,Glück,Leid,Träume und Wünsche eines Menschen in ein Paar Müllsäcken....unverstanden,
unbeachtet wie der Verfasser selbst....nicht nur ich,sondern jeder sollte einen Jacques kennen.
„ es gibt nichts gutes.....außer man tut es“
( Wilhelm Busch )