Es war früh am morgen,als Agnes ziemlich genervt im Bad vor dem Spiegel stand und an ihren Haaren herumzupfte.Heute war der Tag,an dem sie in einem Altenstift zu einem sogenannten sozialen Dienst
antreten mußte.....ein Strafgericht hatte Agnes wegen wiederholten Diebstahls dazu verurteilt.
Gäbe es doch für mich nur eine Möglichkeit irgendwo anders unterzukommen,dann würde ich abtauchen.....
kam es ihr immer wieder in den Sinn......aber außer ihren Eltern und ein paar Freunden,die alle in der
Nähe wohnten,kannte sie niemanden....somit schwang sie sich auf das Fahrrad ihrer Mutter und radelte
die vier Kilometer bis zum Altenstift.Als sie vor dem Gebäude stand...kamen ihr echte Zweifel.,ob das
wirklich etwas für sie wäre....die sind doch alle anders hier als ich......aber so wie es aussah,blieb ihr
nichts anderes übrig.... nun stand sie im Eingangsbereich....in dem mehrere kleine Sofas und viel
Grünpflanzen standen.....nachdem sie sich ein wenig umgeschaut hatte,ging sie zur Rezeption.....
wo ist denn hier der Chef.... fragte sie etwas lapidar......sie meinen den Leiter dieses Hauses
erwiderte die Dame hinter dem Tresen....Zimmer 12 und klopfen sie an,bevor sie reingehen.....
was haben sie denn gedacht, meinte Agnes...dass ich die Tür eintrete......geben sie immer so
komische Antworten wollte die Angestellte wissen.......nö,nur wenn so überflüssige Anweisungen
kommen .... damit beendete Agnes das Gespräch....drehte sich um und steuerte Zimmer 12 an.
Der Leiter der Einrichtung war nach ihrer Meinung aber auch nicht verträglicher....Sie wurde von
ihm von oben bis unten gemustert....die Begrüßung auch eher kühl....so,sie sollen hier also ein
besserer Mensch werden.Dann mal gleich ab in die Küche.....dort einen Rollwagen nehmen....
damit in den ersten Stock und aus den Zimmern das Frühstück wieder abräumen.....aber bitte
überall anklopfen ...nach zehn Minuten stand sie im ersten Stock vor der erstbesten Tür und
klopfte höflich an......eine Mitarbeiterin kam vorbei und meinte im vorbeigehen....es ist die
Abstellkammer....ja,hatte ich übersehen,dass kein Name dranstand....also nächste Tür....dort stand
Paul Rupert...klopfen und rein...der Raum war nicht besonders groß,aber recht gemütlich eingerichtet.
Ein alter Mann,der im Sessel saß,schaute mich freundlich an....es folgte eine kleine Konversation:
Agnes......hey,ich bin Agnes.....
Paul.......ah,eine neue Insassin....
Agnes.......sehr witzig....ich soll das Frühstück abräumen
Paul......wohl eher das Geschirr,machen sie hier ein Praktikum?
Agnes....nee,bin vom Gericht zur Sozialarbeit verdonnert worden!
Paul.....ich bin auch nicht ganz freiwillig hier....dann haben wir ja etwas gemeinsam.
Agnes.....wie alt sind sie denn schon?
Paul......einundachzig und sie?
Agnes....bei mir können sie die Zahl umdrehen.
Paul.....toll,dann können sie ja noch alles werden...es ist sowieso immer interessant,wenn jemand,der
sein Leben fast beendet hat,auf einen trifft,der noch so viel vor sich hat....sie gefallen mir...machen sie
die Ausbildung zur Altenpflegerin...dann können wir immer reden.
Agnes.....wenn die meisten so sind wie sie,könnte ich mir das tatsächlich überlegen..gefühlsmäßig
weiß ich noch nicht genau, was ich machen will....habe ehrlich gesagt auch etwas Bammel,wenn es um
eine Ausbildung geht,ob ich das überhaupt packe...
Paul....also,wenn sie etwas machen wollen,dann muß es ein Gegenstück in Form von Angst geben....machen
sie nicht so viele Sachen gleichzeitig...ich meine ihre Gefühle dann noch das Denken und nebenbei auch noch handeln....ihnen geht viel verloren...konzentrieren sie sich.....
Agnes....ja,könnte sein....am liebsten hätte ich die totale Selbsterkenntnis...
Paul.....lieber nicht....die könnte sie total frustrieren,wenn man genau weiß,was man alles nicht erreicht....
Agnes.....ich muß jetzt weitermachen....dann sehen wir uns ja nach dem Mittagessen ....übrigens,ich finde
sie auch ganz patent.
Agnes und Paul sahen sich nun jeden Tag....für sie war es eine Herzensangelegenheit geworden,dort zu
arbeiten....ja,sie mochte ihn sehr gern .....nicht nur weil sie mit ihm über alles reden und lachen konnte,
sondern,weil er ihr immer eine Wahlmöglichkeit gab und er keine Forderungen stellte,wie sie es auf
jedenfall in ihrem Leben machen sollte.....Eines Tages erzählte Paul Agnes von seiner einzigen
Leidenschaft und vertraute ihr ein Geheimnis an,welches niemand wußte.