....von dieser vierwöchigen Sozialarbeit in einem Altenstift,hatte Agnes nun schon drei Wochen
absolviert.....dort hatte sie ja den Mitbewohner Paul kennengelernt....mittlerweile duzten sie sich.
Es war ein Montagmorgen,als sie eigentlich recht gut gelaut, ihren Dienst in diesem Altenstift
antrat,denn sie fühlte sich irgendwie schon ein wenig dazugehörig.Ihre erste Anlaufstelle war wie
immer Paul....aber an diesem Morgen lag er in seinem Bett...sie legte ihre Hand auf seine Schulter
und wollte wissen wieso er noch im Bett lag.....
Agnes......Paul,alles in Ordnung mit dir?
Paul.........
ach,Agnes...ja,bin nur wieder eingeschlafen,weil ich keine gute Nacht hatte..
Agnes.....
was war denn?bist du krank?komm,dann gehen wir zum Arzt.....
Paul........da war ich schon,die können mir auch nicht mehr helfen...
Agnes.....was heißt....die können dir nicht mehr helfen?.....
Paul........na ja,vor drei Monaten hat man bei mir Knochenkrebs festgestellt...Endstadion...
ich hab mich danach entschlossen nichts weiter zu unternehmen....es soll hier auch
keiner wissen....solange ich noch gehen und denken kann möchte ich hier in meinem
Zimmer bleiben....
Agnes......das höre ich aber garnicht gern...was du da sagst......es macht mich traurig....
Paul.........nicht traurig sein,weil etwas zu Ende geht...sei fröhlich,weil unsere Begegnung
doch schön war....ausserdem möchte ich,solange es noch geht,meiner
großen Leidenschaft nachgehen...
Agnes......welcher Leidenschaft?
Paul........dem Meditieren....
Agnes......wann meditierst du denn?
Paul.........nach dem Mittagessen fange ich an....bei Wind und Wetter gehe ich dann zu Fuß
die zwei Kilometer bis zum Marktplatz und bleibe eine Stunde am Brunnen sitzen...
dann gehe ich wieder zurück.....das mache ich jetzt seit sieben Jahren.......für mich ist es wie
eine Meditation und zugleich eine letzte Aufgabe in meinem Leben......
Agnes.....was sagst du denn da? Was für eine letzte Aufgabe?
Paul.......ich bin mir sicher,dass du mich nicht enttäuschen wirst.......es ist ungefähr sieben Jahre her.....
ich saß mal wieder beim Brunnen am Marktplatz.....eine Frau setzte sich neben mich.....
wir kamen ins Gespräch......es waren interessante Dialoge......zwei Jahre lang trafen wir
uns jeden Tag am Brunnen....von einem Tag zum anderen,kam sie nicht mehr.....ich vermisse
sie.....du und deine Art haben mich an sie erinnert.......
Agnes..... na,ich hoffe doch du meinst nicht mein Aussehen......hast du denn hier schon gewohnt?
Paul...... nee,zu Hause bei meiner Mutter......doch ja,seit einem halben Jahr wohnte ich schon hier....
Agnes.....fünf Jahre hast du nichts von ihr gehört und wartest immer noch? hast du keine Adresse
oder Telefonnummer?
Paul.......nein,nur ihren Vornahmen......ich wünsche mir sehr,dass ich sie noch einmal treffe....solange
es einen Funken Aussicht auf Erfolg gibt ihr zu begegnen....werde ich weiter dorthin gehen....
Agnes... kannst du dir denken,warum sie nicht mehr kam?
Paul...... je stiller man wird,desto mehr kann man hören....nein,ich weiß es nicht,aber für mich ist sie
es wert,etwas zu tun......nur eines muß gut sein,dann lohnt es immer.....
Sechs Monate hat Paul noch durchgehalten,dann starb er....dieser Frau ist er nie mehr begegnet.....
Agnes absolvierte viele Ausbildungen in der Altenpflege und ist heute selber Leiterin einer
Pflegestation......immer wenn sie Zeit hat,fährt sie mit dem Fahrrad zu diesem Altenheim und geht
dann zu Fuß zum Marktplatz.....um Paul nahe zu sein....
Die erhabene Sprache der Natur, die Töne der bedürftigen Menschheit lernt nur der Wanderer kennen.
( Zitat J.Wolfgang.v.Goethe)